Lukasevangelium 1,78-79

Zacharias, der Vater Johannes des Täufers, prophezeit bei der Geburt seines Sohnes, dass nach ihm das „Licht aus der Höhe kommt“, das Menschen auf den Weg des Friedens bringt. Gemeint ist natürlich Jesus Christus. Und tatsächlich sind von ihm Christus immer wieder entscheidende Friedensimpulse ausgegangen.

Zu den beeindrucktesten Ereignissen gehört eine Episode während des 1. Weltkriegs. In einem kleinen Frontabschnitt liegen Deutsche und Engländer in nur 50 Metern Entfernung voneinander in Stellung. Der Morgen des 24. Dezembers ist ein klarer Tag. Auf einmal tritt eine unwirkliche Stille ein. Kein Laut ist mehr zu hören. Plötzlich gehen auf beiden Seiten hinter den Wällen Schilder hoch. „Frohe Weihnachten“ steht drauf und „Merry Christmas“. Es wird nicht geschossen. Sie tauschen Geschenke aus. Tabak gegen englischen Plumpudding, britischer Schokoladenkuchen gegen bayerisches Bier. Um neun Uhr abends zünden sie die Kerzen auf ihren Tannenbäumen an, und mehr als zweihundert Kehlen singen auf einmal „Stille Nacht, heilige Nacht“ bzw. „silent night, holy night“.

Das Licht aus der Höhe hat die Füße der Soldaten auf den Weg des Friedens ausgerichtet – allein durch die Erinnerung an seine Geburt, bei der die Engel vom „Frieden auf Erde“ gesungen haben. An Weihnachten bricht etwas Himmlisches ein in unsere irdische Welt.

1914 war mit diesem Friedenswunder nach 2 Tagen Schluss. Da erinnerten sich die Befehlshaber und Offiziere wieder daran, dass doch eigentlich Krieg war und dass die freundschaftlichen Begegnungen und die Verbundenheit, die sich zwischen den Männern einstellte, nicht sein dürfen. Da kehrte die harte Realität zurück, da hatte die Waffenruhe ein Ende, da herrschte wieder Krieg. Aber dieses Wunder kann immer wieder geschehen.