Der Lauf

Deshalb lasst nun auch uns, da wir eine so große Wolke von Zeugen um uns haben, jede Bürde und die uns so leicht umstrickende Sünde ablegen und mit Ausdauer laufen den vor uns liegenden Wettlauf, indem wir hinschauen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens, der um der vor ihm liegenden Freude willen die Schande nicht achtete und das Kreuz erduldete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes. Denn betrachtet den, der so großen Widerspruch von den Sündern gegen sich erduldet hat, damit ihr nicht ermüdet und in euren Seelen ermattet! Heb. 12,1-4

Vor Jahren war ich Teil einer wöchentlichen Laufgruppe mit Freunden, die rund acht Kilometer an einem Berg entlangging und auch eine kurze, aber sehr steile Stelle hatte. Nun könnte man annehmen, dass mir das, als Gebürtiger der Läufernation Äthiopien, nicht viel ausmachen würde.
Leider war das Gegenteil der Fall: ich habe jede Woche gelitten, vor allem an der steilen Stelle, die nach etwa fünf Kilometern kam und mir alles abverlangte. Ich fragte mich oft an der Stelle, was ich denn da mache und ob es nicht sinnvoller wäre gemütlich zuhause zu frühstücken anstatt sich an einem Berg ächzend abzuquälen.
Und doch, nach dem die schwierigste Wegstrecke geschafft war, kam nach dem sechsten Kilometer eine erneute Beschwingtheit und Kraft in den Lauf. Und nach dem der Lauf vollendet war stellte sich auch ein Gefühl von glückseliger Erschöpfung und Leichtigkeit ein, die meinem Körper und Geist guttat und mir zeigte, warum es sich gelohnt hat doch durchgehalten zu haben. Eine Woche später: alles wieder von vorne. Warum bin ich nicht zuhause geblieben…?

Der Hebräerbrief vergleicht unseren Weg als Nachfolger Christi mit einem Wettlauf, den bereits einige vor uns vollendet haben (Heb. 11). Diesen Lauf sollen wir mit Ausdauer bestreiten und dabei jede uns belastende Bürde ablegen und uns von leichtumstrickenden Sünden lossagen, die uns zu hindern drohen.
Die Motivation für den zugegebenermaßen beschwerlichen Weg sind nicht nur jene, die vor uns den Weg gegangen sind, sondern allen voran Jesus Christus, der auch bereits unter schweren Bedingungen den Weg vorausgegangen ist. Er hat das Kreuz auf sich genommen und die Schande und den Widerspruch, die ihm durch Menschen widerfahren ist, ertragen.
Warum? Weil er ein Ziel hatte: ‚die vor ihm liegende Freude‘ bei seinem Vater zu sein und zu erleben, dass sein Leid nicht umsonst war, sondern den Weg für uns geebnet hat, ebenso eines Tages mit ihm bei Gott zu sein. Das hat ihm geholfen durchzuhalten.

Wir befinden uns momentan in einer weltweiten Pandemie, die wahrscheinlich länger andauern und unseren Alltag begleiten wird. Es wird sicherlich noch Zeit brauchen, bis Normalität und Leichtigkeit wieder einkehren. Dabei scheint es, dass wir es hier nicht mit einem Kurzstreckenlauf zu tun haben, sondern eher mit einem Marathon. Das kann uns beschweren und zuweilen auch den Atem rauben.
Aber wir haben ein Ziel für die es sich lohnt die Mühen und Einschränkungen auf sich zu nehmen: diese Zeit zu überstehen und einen Weg zu einem gewohnten Alltag zu finden. Dafür nehmen wir viel in Kauf.

Nun liegt es in der Natur der Dinge, dass kaum eine Herausforderung geschafft ist, sich schon die nächste anbahnt. Das Leben bleibt ein Lauf, indem sich nur die Herausforderungen ständig verändern, aber nicht aufhören. Wir tun deshalb gut daran, das Leben an sich als einen fortwährenden Lauf zu betrachten, mit unterschiedlichen Wegstrecken, Erfahrungen und zuweilen auch Verstrickungen, die zu durchleben und bewältigen sind.
Was soll uns dabei motivieren, im Lauf zu bleiben?
Es sind die Ziele, die wir uns im Leben setzen und die uns lieb gewonnenen Menschen und Erfahrungen für die wir auch entsprechende Entbehrungen und Durststrecken auf uns nehmen.
Das große Ziel bleibt eines Tages beim Vater anzukommen, so wie Christus vor uns.
ER ist uns zum einen ein glaubwürdiges Vorbild, da er den Weg bereits vorausgegangen ist. Zum anderen ist er es, der uns als den ‚Anfänger und Vollender‘ unseres Glaubensweges befähigt, unseren Lauf zu schaffen. Unsere Geschichte hat mit ihm begonnen und wird auch mit seiner Hilfe zum Ziel gelangen.
Der Hebräerbrief lädt uns ein Jesus nachzufolgen.
Zugleich malt es uns ein Bild davon, wie er uns auch vom Rechten des Thrones Gottes aus mit gütigen Augen entgegenblickt und uns dadurch Kraft verleiht mit Ausdauer an dem Weg mit ihm dran zu bleiben, unsere Bürden und leichtumstrickenden Sünden abzulegen und einst bei ihm anzukommen und mit ihm bei Gott vereint zu sein.
An dem Tag wird seine Freude vollendet werden und wir werden zwar erschöpft, aber glücklich bei ihm und mit ihm sein. Für immer.
Dafür möge Gott uns seine Kraft und Segen schenken.
Amen.
Simret Mahary


Auch heute schicken wir euch, meine Kollegin Annika und ich, ein Paar Grußworte per Video, sowie eine Kindergeschichte und Reflektionen, die wir diesmal gerne auf diesem Weg mit euch teilen möchten.