Kirche als Übungsplatz

Liebe Geschwister und Freunde der Adventgemeinde Frankfurt-Zentrum, wieder neigt sich eine Woche dem Ende zu und wir können bald Sabbat feiern.

Wie hast du die vielen letzten Sabbate erlebt in denen wir keine Gottesdienste in der Gemeinde feiern konnten? Was hat dir gutgetan? Was hast du vermisst? Was hast du Neues dazu gelernt? Was möchtest du dir gerne bewahren?

Gerne würde ich mehr darüber erfahren, wenn du das mit mir teilen magst.

Ab Sabbat, den 18.07., feiern wir wieder Gottesdienste in unserer Gemeinde. Es wird für uns alle eine neue Erfahrung, da wir mit einem einstündigen, angepassten Gottesdienst beginnen werden, den wir mit der Zeit weiterentwickeln werden. Gerne kannst du dich dazu bis nächsten Donnerstag 10:00 Uhr hier anmelden:

https://adventgemeinde-ffm.de/corona-gottesdienst/

Vielleicht ist es auch eine gute Gelegenheit Freunde mitzubringen, die einen Gottesdienst miterleben möchten. Wer nicht kommen kann, kann den Gottesdienst über eine YouTube Liveübertragung von Zuhause aus erleben. Der Link dazu ist unter der Rubrik Aktuelles zu finden.

Vor kurzem schickte mir eine Glaubensschwester die folgenden Reflektionen zur Gemeinde und zum Gottesdienst, die ich ehrlich, anregend und Nachdenkens wert fand. Gerne möchte ich einen Auszug davon mit euch teilen.

‚… die Kirche ist unser Übungsplatz. Der Ort, an dem Nächstenliebe praktisch gemacht wird. Dort werde ich daran erinnert, wie sehr ich auf die rettende Hilfe Gottes angewiesen bin. Und wie sehr ich ein Werkzeug dieser Rettung für andere sein darf. Ich lerne, den anderen vorzuziehen. Ich brauche die Geschwister, gerade weil sie mir manchmal alles andere als sympathisch sind. Nicht, um mein Ego zu streicheln, sondern um zu verhindern, dass ich mein Ego streichele. „Die Gemeinde frustriert uns hin zur Heiligkeit, indem sie uns eine strahlende Vision vor Augen hält und uns dann einlädt, uns der weniger glanzvollen Realität anzuschließen“, sagte einmal der amerikanische Franziskanerpater Richard Rohr. Das ist der Grund warum ich keinen Gottesdienst in meiner Gemeinde vermissen will. Nicht weil es mir etwas bringt, sondern weil es mir etwas abverlangt. Die Abläufe sind manchmal unbeholfen, schlecht vorbereitet. Manchmal sehne ich mich nach den alten Chorälen, schön altmodisch aus dem Gesangbuch gesungen. Die eine oder andere Predigt bringt mir für meine persönliche Situation nichts. Ein Kind schreit und Menschen, die sehr spät zum Gottesdienst kommen lenken ab. Wir enttäuschen uns gegenseitig, hier und da lässt einer den anderen im Stich. In solchen Momenten erinnere ich mich daran, dass nicht das perfekte Programm eine gute Gemeinde ausmacht, sondern dass Kirche eine Gemeinschaft ist, in der Gnade und Vergebung herrschen, in der Fehler gemacht werden dürfen, Neuanfänge zu jederzeit möglich sind. Ich will in erster Linie nicht unterhalten, sondern verändert werden. Die Gemeinde bringt mir was, nicht weil sie perfekt ist, sondern gerade, weil sie nicht perfekt ist.‘

Gemeinschaft mit Menschen, so auch Gemeinde und Gottesdienst kosten Kraft, aber sie geben uns auch viel, wenn wir mit einer Grundeinstellung an ihnen herangehen, die sich einbringen, lernen und wachsen möchte. Sie geben uns die Möglichkeit Gottes Wort gemeinsam zu reflektieren, Stärkung zu erfahren und einander Gutes zuzusprechen. Diese Erfahrung ist nicht auf den Gottesdienst beschränkt. Ja, sie würde sogar ihre Glaubwürdigkeit verlieren, wenn sie nur dort erlebt werden würde und nicht im Miteinander im Alltag geschieht. Dennoch kann sie auch dort erlebt, wo wir zusammenkommen und uns gemeinsam auf Gott, Seine Worte und aufeinander einlassen.

Dazu wünsche ich uns Seinen Segen, wenn wir bald wieder als Gemeinde zusammenkommen, wenngleich in verkürzter Form.

Ich wünsche uns allen einen gesegneten Sabbat.

Beste Grüße,
Simret