Nacht der Kirchen 2015 in der Adventgemeinde Frankfurt-Zentrum

Museen und Theater haben es vorgemacht und zu „langen Nächten“ eingeladen. Aber Kirchen können das auch. Am 02. Oktober, am Vorabend der in Frankfurt durchgeführten Feierlichkeiten zum 25. Jahrestag der Deutschen Einheit, fand wieder die „Frankfurter Nacht der Kirchen“ statt. Erstmals beteiligte sich auch die Adventgemeinde Frankfurt-Zentrum daran. Unter dem Motto „Grenzen überwinden“ hatten verschiedene Gruppen der Gemeinde ein abwechslungsreiches Programm vorbereitet.

Nach der musikalisch umrahmten Begrüßung durch Gemeindeleiter Kai Steuernagel leitete Pastor Michael Mainka eine Talkrunde unter dem Motto „Grenzen überwinden heute – lokal und global“ ein, an der Mike Josef (Vorsitzender der Frankfurter SPD), Fritz Neuberg (ADRA) und Norbert Dorotik (Präsident der Mittelrheinischen der Vereinigung der Adventgemeinden) teilnahmen. Man war sich schnell einig darüber, dass Grenzen im Wesentlichen in den Köpfen, d.h. im Denken (oder Nicht-Denken) existieren, dieses Denken dann aber unser Handeln prägt. Angesichts der hohen Anzahl von Flüchtlingen ging es auch um die Frage, wie man konkret helfen kann. Aktiv zu werden ist vielleicht die beste Möglichkeit, Vorurteile und Grenzen zu überwinden. Mike Josef, in Syrien geboren und in Frankfurt aufgewachsen, wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass alle, die ein multikulturelles Umfeld gewöhnt seien, angstfreier damit umgehen.

Nach einer kurzen Pause folgte unter dem Motto „Von Seoul und Accra nach Frankfurt – Grenzen überwinden konkret“ ein buntes Programm mit Gemeindegliedern der koreanischen Adventgemeinde, die sich im Adventhaus in Frankfurt versammelt, und der ghanaischen Adventgemeinde, welche seit einigen Monaten im nahen Dreieich residieren. Neben kurzen Interviews gab es mitreißende Musikbeiträge.

Nach einer weiteren kleinen Verschnaufpause kam im dritten Teil des Abends unter dem Motto „Grenzen überwunden – vor 25 Jahren“ mit Pastor Werner Jelinek ein Zeitzeuge zu Wort. In äußerst anschaulicher Weise berichtete er als jemand, der in der DDR „nicht ins Schema passte“, von der Schwierigkeit, eine Lehrstelle zu bekommen, geschweige denn das Abitur zu machen.

Er erzählte aber auch von wohltuender Solidarität von Christen verschiedener Konfessionen. Die „Wende“ bezeichnete Werner Jelinek als „Wunder“. Er schloss seinen Bericht mit der letzten der 5 Zeilen des Liedes „Ermutigung“ von Wolf Biermann, das er vorher schon komplett aus dem Gedächtnis zitiert hatte:

Wir woll`n es nicht verschweigen
in dieser Schweigezeit.
das Grün bricht aus den Zweigen.
Das woll`n wir allen zeigen
dann wissen sie Bescheid.

 

Der letzte Teil dieser „Nacht der Kirchen“ unter dem Motto „Grenzen überwunden – vor 2.000 Jahren“ bestand aus einer musikalischen Andacht. Der Gospelchor der Gemeinde Frankfurt-Zentrum veranlasste die verbliebenen Besucher – es war immerhin schon zwischen 23:00 und 24:00 Uhr – mit seinen rhythmisch anregenden Songs vielfach zum Mitswingen.

Die Andacht hielt Pastor Simret Mahary. Den Abschluss bildete ein in allen teilnehmenden Kirchen gesprochenes Friedensgebet, in dem es hieß:

25 Jahre nach dem Ende der Teilung unseres Landes bitten wir darum,
dass alle menschenverachtenden Grenzen überwunden werden.
Herr, gib uns deinen Frieden,
jetzt, da wir in die Nacht gehen
und trotzdem im Licht leben.

Alle Teilnehmer waren sich einig, dass dieses Engagement der Adventgemeinde Frankfurt-Zentrum nicht die letzte Beteiligung an einer „Nacht der Kirchen“ in Frankfurt gewesen sein sollte. (RG)