Stadtgebet

Auf Einladung der Frankfurter Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen hat unser Pastor Michael Mainka am Mittwoch, den 11. November, das „ökumenische Stadtgebet für Frieden und Versöhnung“ gestaltet.
Seit Mai 2015 findet es jeden Mittwoch von 18:00 Uhr bis 18:30 Uhr in der Frankfurter Katharinenkirche an der Hauptwache statt. Dabei wird für aktuelle Anliegen gebetet. Oft wird auch ein konkretes Hilfsprojekt vorgestellt.
Am 11. November standen die Situation der Flüchtlinge und die Arbeit der Hilfsorganisationen im Mittelpunkt. Hanna Arhin-Sam, Mitarbeiterin von ADRA-Deutschland, war erst vor kurzem auf der „Balkanroute“ unterwegs und konnte so aus eigener Anschauung berichten.
Flüchtlinge, die noch über Geldreserven verfügen, könnten eine „gewissen Komfort“ genießen. Für die meisten aber sei der Weg zu uns mit großen Strapazen verbunden. Aufgrund der unterschiedlichen Aussichten auf Anerkennung als Asylanten (Syrer als Flüchtlinge 1. Klassse) komme es manchmal zu Konflikten unter den Flüchtlingen.
Die Arbeit der Hilfsorganisationen bestehe nicht nur darin, die Flüchtlinge mit dem Nötigsten zu versorgen. Wichtig sei auch, sie mit zuverlässigen Informationen zu versorgen – auch deshalb, weil die Schlepper ihnen auf falsche Versprechungen machen. Außerdem sei ihre psychosoziale Unterstützung dringend notwendig.
Der bevorstehende Winter, so Hanna Arhin-San, werde die Lage weiter verschlimmern. Das liege nicht nur an der Kälte, sondern auch daran, dass die Schlepper aufgrund der Jahreszeit Preisnachlässe gewährten, was wiederum dazu führe, dass auch ärmere Menschen sich die Flucht leisten könnten – die aber unter diesen Bedingungen viel gefährlicher sei.
Flüchtlinge, die in der Bundesrepublik angekommen seien, sollten nicht nur „versorgt“ werden. Wichtig seien Kontakte zur einheimischen Bevölkerung und die psychosoziale Betreuung der Flüchtlinge, die nicht selten traumatisiert seien.
Dementsprechend hieß es dann in den Fürbitten:
Barmherziger Gott,
wir kommen zu dir mit unserer Sehnsucht nach Frieden und Sicherheit für alle Menschen auf deiner Erde.
Wir bitten dich …
• für alle Menschen, die fliehen müssen, weil Gewalt und Terror sie bedrohen, weil sie nicht länger in Angst leben wollen, weil ihr Land keine Nahrung mehr gibt.
• für alle Menschen, die auf der Flucht sind, die heimatlos sind, die kein Dach über dem Kopf haben, die auf der Flucht verletzt werden, die in Lebensgefahr geraten.
• für alle Menschen, die politisch Verantwortung tragen, denen die Herausforderung bewusst ist, die über Geld und über Regelungen entscheiden müssen.
• für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Hilfsorganisationen, die die Menschen in Not sehen und nach effektiven Wegen suchen, um ihnen zu helfen.
• für die vielen ehrenamtlichen Helfer, dass sie neue Kraft bekommen, wenn sie müde werden.
• für uns selbst, dass wir nicht abstumpfen und nicht einseitig werden, sondern uns immer wieder anrühren lassen, von der Not unserer Mitmenschen.
Gott, in deinem Sohn Jesus Christus bist du selbst Flüchtling geworden, den Flüchtlingen ähnlich – und dadurch an ihrer Seite. Lege deinen bergenden Arm um die Menschen, die deine Nähe brauchen und schenke du Heimat und Zuversicht und immer neue Kraft. Amen.
Zum Abschluss des Stadtgebets versammelten sich alle Teilnehmer – mit Kerzen in der Hand – noch einmal kurz vor der Kirchentür – um gemeinsam das Vater-Unser zu beten, sich zum Dienst in der Welt senden zu lassen und den Segen zu empfangen.